Befund "Hautkrebs": Was kommt danach?

Interview: Von der Früherkennung zur Nachsorge

MÖNCHENGLADBACH – Der Befund Hautkrebs wirkt zunächst niederschmetternd. „Was kommt da auf mich zu? Was bedeutet die Erkrankung für meine Lebensführung?“ lautet die bange Frage. Dr. Rolf Ostendorf, niedergelassener Dermatologe in Mönchengladbach gibt dazu Hinweise aus ärztlicher Sicht.


Mein Hautarzt/ärztin hat einen „hellen Hautkrebs“ – ein recht großes Plattenepithelkarzinom – entdeckt. Es soll operativ entfernt werden. Bin ich danach geheilt?

Dr. Rolf Ostendorf: Wenn wir Hautärzte über den so genannten hellen Hautkrebs sprechen, sind zumeist die beiden häufigsten Unterformen gemeint: das Basalzellkarzinom oder das Plattenepithelkarzinom. Beim Basalzellkarzinom gibt es zu einem operativen Vorgehen gelegentlich Alternativen. Das Plattenepithelkarzinom muss fast immer operiert werden. Bei den Basalzellkarzinomen gibt es keine Absiedlungen in andere Körperregionen, bei einem Plattenepithelkarzinom hingegen können in Abhängigkeit von Tumordicke und Tumorunterform sogenannte Metastasen vorkommen.
Hinzu kommt die Gefahr, dass der Hautkrebs zurückkommt. Vor allem die Vorstufe des Plattenepithelkrebses, die sogenannte aktinische Keratose – bildet sogenannte Rezidive.

Muss ich Folgetumoren befürchten?

Ostendorf: Glücklicherweise sind schwerwiegende oder auch länger dauernde Krankheitsverläufe sehr selten, auch wenn diese Tumoren vor allem im höherem Lebensalter doch sehr häufig auftreten. Generell minimiert ein frühes Erkennen solcher Tumoren die notwendigen therapeutischen Maßnahmen und damit auch die Dauer- und Folgeschäden.

Gilt das auch für den „schwarzen Hautkrebs“, das maligne Melanom im Frühstadium?

Ostendorf: Umso mehr als  dass maligne Melanome deutlich aggressiver wachsen und häufig lebensbedrohliche Metastasen entwickeln. Früh erkannt wird dieser Krebs in 98% der Fälle mit einem kleinen Schnitt vollständig geheilt, ohne das Spätschäden auftreten. Eine ernsthafte Beeinträchtigung des aktuellen oder zukünftigen Lebens ist durch einen solchen kleinen Eingriff, der immer ambulant durchgeführt werden kann, nicht zu befürchten.

… und bei einem weiter fortgeschrittenen malignen Melanom?

Ostendorf: Anders sieht es aus, wenn der schwarze Hautkrebs die kritische Dicke von 1 mm überschreitet, Verletzungen oder Zellteilungen aufweist: dann sollte leitliniengerecht eine Probe des sogenannten Wächter-Lymphknotenknotens entnommen werden.

Für weiter fortgeschrittene Krankheitsstadien kommen neben der Operation medikamentöse Begleittherapien in Betracht, die weitgehend ambulant durchgeführt werden. Hier ist zumeist allerdings eine enge Zusammenarbeit zwischen der Hautarztpraxis und der Hautklinik zu empfehlen. Eine weitere engmaschige Kontrolle durch den niedergelassenen Hautarzt ist in jedem Fall sinnvoll, nicht nur im Sinne der Nachsorge, sondern vor allen Dingen auch weil Zweittumoren sehr häufig auftreten.

Hautkrebs – ein Todesurteil? Wie ist die Prognose?

Ostendorf: Die aktuellen Krebsregister-Daten zeigen, dass die Sterblichkeit an diesen Tumoren sehr weit hinter den anderer Krebserkrankungen zurückfällt, obwohl das Maligne Melanom der Haut die vierthäufigste Krebserkrankungen bei Frauen beziehungsweise die fünfthäufigste Tumorerkrankung bei den Männern ist. Dies liegt an der besonders guten Sichtbarkeit und Zugänglichkeit von Hauttumoren für die Krebsfrüherkennung.