Vorsicht Sonnenbrand!

Wenn Wolken zum Brennglas werden

BONN / OBERPFAFFENHOFEN  – Der Himmel ist bewölkt, ein angenehmer Wind weht - trotzdem rötet sich die Haut und brennt? Experten warnen, die Sonnenbrandgefahr nicht zu unterschätzen.


Ob nach einem Urlaubstag am Strand, nach einer ausgedehnten Wanderung oder einem spannenden Tennismatch: Ein Sonnenbrand kann die Sommerlaune erheblich trüben. „Durch zuviel UV-Licht wird das Zellgewebe in den oberen Hautschichten geschädigt“, erklärt Prof. Uwe Reinhold vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Es kommt zu entzündlichen Prozessen, die sich durch eine Rötung und Erwärmung der Haut bemerkbar machen, die Haut schmerzt und brennt, Blasen können sich bilden.

Um die akuten Beschwerden zu lindern, helfen kühlende, feuchte Umschläge oder auch eine kühle Dusche, rät Professor Reinhold. Sonnenbrandgel oder eine Lotion sind ebenfalls angenehm. Fettreiche Körperpflegeprodukte sollten jedoch nicht aufgetragen werden, da sie die Wärme noch stauen. „Außerdem viel trinken“, empfiehlt der Bonner Hautarzt.
 
Bei einem ausgeprägten Sonnenbrand kann zudem Acetylsalicylsäure (ASS) eingenommen werden, um die Entzündung einzudämmen und Schmerzen zu lindern. Bei stärkeren Verbrennungen oder wenn Schüttelfrost und Fieber hinzu kommen, sollte man einen Arzt aufsuchen. Dieser kann Kortikosteroide gegen die Entzündung oder bei Blasenbildung ein Antibiotikum verordnen, um einer Hautinfektion vorzubeugen.    

Nach einem Sonnenbrand regeneriert die Haut zwar nach und nach wieder. Doch die Haut vergisst nichts: Werden die hauteigenen Reparaturmechanismen immer wieder durch zuviel UV-Licht strapaziert, kann es zu bleibenden Schäden im Erbgut von Hautzellen kommen. „Mit der Häufigkeit von Sonnenbränden, vor allem in der Kindheit, steigt das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken“, warnt Professor Reinhold.

„Einen Sonnenbrand möchte eigentlich jeder vermeiden“, sagt der Hautarzt. Unerlässlich sei hier ein umfassendes Lichtschutzkonzept, wie es beispielsweise das Netzwerk niedergelassener Dermato-Onkologen onkoderm e.V. entwickelt hat (www.uv-schutz.info).
 
Doch so mancher Irrtum führt dazu, dass die Haut nicht ausreichend geschützt wird: Oft wird nicht bedacht, dass auch durch helle, locker gewebte Textilien noch UV-Strahlen dringen. Sonnenschutzpräparate werden häufig zu dünn aufgetragen und Ohren, Nacken oder die Innenseiten der Arme vergessen.
 
Bei bewölktem Himmel oder wenn ein angenehmer Wind weht, wird die UV-Strahlung oft unterschätzt und der Lichtschutz vernachlässigt. „Nicht selten sehen wir in der Praxis auch Patienten, die sich beispielsweise beim Schnorcheln Verbrennungen zugezogen haben, weil sie nicht wussten, dass ein Teil der Sonnenstrahlen auch durch die Wasseroberfläche dringt“, berichtet der Hautarzt.

„Die UV-Belastung richtig einzuschätzen und sich entsprechend zu schützen, ist nicht einfach“, räumt Dr. Ralf Meerkötter ein, der am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen die Abteilung Fernerkundung der Atmosphäre leitet. Denn die Intensität der UV-Strahlung variiert je nach Sonnenstand und damit je nach geografischer Region sowie der Tages- und der Jahreszeit, erklärt der Experte. Zudem beeinflusst das atmosphärische Ozon die am Boden ankommende UV-B-Strahlung.
 
Die Ozonmenge nimmt zu niedrigen geografischen Breiten hin ab und ist saisonalen sowie täglichen Schwankungen unterworfen. Eine zehnprozentige Abnahme des Ozons erhöht zum Beispiel die für die Hautrötung wirksame UV-Strahlung auch um zehn Prozent. Wolken vermindern die direkte UV-Strahlung zwar je nach Dicke zwischen zehn und neunzig Prozent. Doch die Intensität der UV-Strahlung kann durch Reflexion an den Seiten von Schönwetterwolken kurzzeitig sogar stärker sein als bei wolkenlosem Himmel, weiß Dr. Meerkötter.

Darüber hinaus nimmt die Strahlenintensität pro 1.000 Höhenmeter um etwa zehn Prozent zu. Wasser und heller Sand, insbesondere aber auch Schnee, können durch Reflexion die von der Haut empfangene UV-Strahlung erheblich erhöhen.

Je nach Wetterlage und Ort spielen all diese Effekte in unterschiedlicher Weise zusammen. „Das ist es, was die Einschätzung der aktuellen UV-Belastung so schwierig macht“, erklärt Dr. Meerkötter.

„Von der UV-Belastung und der individuellen Lichtempfindlichkeit der Haut hängt ab, wie groß die Sonnenbrandgefahr ist“, erläutert Professor Reinhold.
 
Um die Zeitspanne, bis sich ungeschützt ein Sonnenbrand entwickeln würde, richtig zu bestimmen und die Wahl des geeigneten Sonnenschutzes zu erleichtern, bietet der BVDD in Zusammenarbeit mit dem DLR als kostenlosen Service den UV-Check an. Mit modernster Technik werden hier alle relevanten Daten für die aktuelle Strahlenbelastung ausgewertet. Nutzer können sich unter Berücksichtigung ihres individuellen Hauttyps für alle Orte in Europa und viele weitere Urlaubsregionen einfach und in sekundenschnelle die Eigenschutzzeit ihrer Haut und den erforderlichen Lichtschutzfaktor errechnen lassen. Interessenten können den Service kostenlos im Internet unter www.uv-check.de nutzen.